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Kinderwelt im Grünen

Vom 15.08.2009 bis 30.06.2010 fand unter der Trägerschaft des Russisch-Deutschen Kulturzentrum e. V. das Projekt „Kinderwelt im Grünen“ statt. Dank der finanziellen Unterstützung vom Bayerischen Jugendring nahmen im Rahmen des Projektes während der gesamten Projektdauer ca. 1000 Kinder und Jugendliche aus Migranten und Einheimischenfamilien an verschiedenen Veranstaltungen, Workshops und Aktionen teil, denn auf Grund unseres begrenzten Etats wäre es nicht möglich auch nur die Hälfte der Maßnahmen durchzuführen.

Kinder und Jugendliche im Alter zw. 9-14 Jahren haben sich zu Wanderungen, Workshops  und verschiedenen Naturschutzaktionen getroffen um wissenswertes über die Natur sowie Pflanzenwelt zu erfahren und diese praktisch zu erkunden, gemeinsam zu spielen und bei verschiedenen Aktionen mit Hilfe der Natur die Welt ihrer Vorfahren zu erfahren und in Kontakt mit den Einheimischen zu kommen. Sie haben bei einem Kräuterspaziergang die Geschichte, Mythen und Sagen von den Heilkräutern durch gestreift, Lieder gesungen, Kräuterkränze gebunden, Maitrank getrunken etc. Eines der zentralen Zielsetzungen war den Kindern und Jugendlichen eine Alternative zu dem üblichen Alltag zu zeigen, der in der Regel bei diesen Jugendlichen aus dem Fernseher oder Computer besteht und sie dazu zu animieren das gewohnte Fastfood und ungesunde Ernährung aus dem Supermarktregal gegen natürliche und ausgewogene Ernährung zu tauschen.


Im Rahmen des Projektes „Kinderwelt im Grünen“ wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

 

Waldwanderungen

 Im Herbst und Frühling fanden die geplanten Waldwanderungen statt. Dabei bekamen die Kinder und Jugendliche die Gelegenheit, mehr über Pflanz- und Tierwelt zu erfahren. Die erfahrenen Honorarkräfte haben den Projektgruppen altersgemäß die einheimischen Pflanzen und Tiere als natürliche „Informationsquelle“ erläutert, die über Jahrhunderte hinweg als Auskunfts- und Handlungsrichtschnur zum Wetter oder örtlichen Besonderheiten, in Form von sogenannten „Bauernregeln“ dienten, wie zum Beispiel: „Viele Eicheln im September, viel Schnee im Dezember“ oder „Fällt im Wald das Laub sehr schnell, ist der Winter bald zur Stell“, aber auch „Späte Rosen im Garten- schöner Herbst und der Winter kann warten“ und die Kinder mit Wald- und Wiesen-Heilpflanzen bekannt gemacht. Jetzt wissen die Kinder und Jugendliche, dass man aus Löwenzahn und Brennnessel einen leckeren Salat oder eine frühlingshafte Vitaminsuppe zubereiten kann.

Im Rahmen einer Gesundheitsstunde wurde den Kindern die enorme Bedeutung der Pflanzenwelt in früheren Zeiten, als es noch nicht die moderne Medizin gab oder den einfachen Menschen das Geld für Medikamente fehlte, erläutert. So wurden z.B. die Wunden in Uromas Zeiten mit Schöllkraut desinfiziert und anschließend mit Breitwegericht abgedeckt. In der Volksheilkunde fand Breitwegericht eine vielfältige Verwendung: Ein Breiumschlag aus den frischen Blättern fand bei Wunden und Entzündungen der Haut, Verbrennungen, Schwellungen und Insektenstichen, leichten Verbrennungen, Zahnfleischentzündung, Akne und Insektenstichen seine Verwendung.

Erst die moderne Forschung hat nachgewiesen, dass die Inhaltsstoffe des Schöllkrautes  antiviral, antibakteriell und entzündungshemmend, der Breitwegerich erfrischend, reinigend, harntreibend, adstringierend (zusammenziehend) und entzündungshemmend wirken.

Die durchgeführten Waldwanderungen im Faber-Castel-Wald in Stein bei Nürnberg wurden von den Teilnehmern sehr gut angenommen. Den Teilnehmern wurden die Informationen zu den dort wachsenden Pflanzen und Kräuter nicht nur passiv vermittelt. In Fragen-Antwort Runden waren die Teilnehmer angehalten ihr Wissen aktiv einzubringen. Ebenso positiv bezüglich auf die Nachhaltigkeit des Lernerfolgs war, wenn ältere Jahrgänge den jüngeren Teilnehmern ihr Wissen erläutern konnten. Dies führte zu einem noch stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühl und einem Wir-Erlebnis bei den Kindern, die in der Regel im Alltag sehr viel Zeit allein vor dem Fernseher und dem Computer verbringen.    

Die Aufgabe der Wanderungen bestand hauptsächlich darin, den Wald in das tägliche Leben der TN einzubeziehen. Die Waldbesuche stellen eine gute Abwechslung im Alltag der Kinder und Jugendlichen dar und sie bieten eine Alternative zu dem sonst üblichen dauerhaften Sitzen vor dem Fernseher und PC.

Der Schwerpunkt lag auf dem Kennenlernen sinnvoller Aktivitäten, mit denen sie ihren Aufenthalt im Wald gestalten können. Die TN haben gelernt aus Waldmaterialien verschiedene Bastelartikel herzustellen. Einiges Hintergrundwissen zum Wald und rechtliche Fragen haben das ganze abgerundet.

Durch das Malen im Herbstwald hat die Projektgruppe gelernt, die Schönheit und Vielfalt der Natur wahrzunehmen. Das Wahrgenommene brachten sie durch Malen zum Ausdruck. Danach fand die Ausstellung von Bildern und Kollagen aus Blätter und Zapfen statt. 

Bei einer Exkursion, die unter dem Motto „Dort wo das Bächlein singt“ stand, bekamen die Kinder bei einem Spaziergang entlang eines Baches eine Vorstellung über die dort vorhandenen Wasserpflanzen und Teichbewohner. Nebenbei wurde den Teilnehmern viel Wissenswertes über das Element Wasser erzählt.



Gartenanbau

Bei der Gartenanlage, mit deren Gestaltung und Errichtung im September angefangen wurde und deren Aufbau ungefähr sechs Monaten in Anspruch genommen hatte, haben uns die Eltern der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen ehrenamtlich unterstützt. Zusammen mit den Mitarbeitern des RDK e.V. haben sie Unkräuter und die Baumwurzel aus dem Boden restlos entfernt und die Beete mit verschiedenen Kräutern und Zwiebelpflanzen neu angelegt. Durch das Projekt konnten Aussiedler und andere Zuwanderer für die ehrenamtliche Arbeit gewonnen werden. Nach ca. einem dreiviertel Jahr waren die Teilnehmer eingeladen den eigenhändig angelegten Garten zu besuchen und nach einem Workshop über Unkraut den Garten zu pflegen, Erdbeeren, Himbeeren und Kräuter gemeinsam zu pflücken um anschließend aus den Kräutern Tee zuzubereiten. Einen Kräutertee kann man im Sommer auch kalt trinken, er ist ein sehr erfrischendes Getränk, ein wunderbarer Durstlöscher (z.B. Minztee oder Melissentee) und eine hervorragende und zudem kostengünstige Alternative zu den Softdrinks aus dem Supermarkt.

Der Workshop „Alles über Weintrauben“ war auf mehrere Tage ausgelegt. Im Anschluss an das Gartenbauprojekt, das mit Hilfe der Eltern der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen bewerkstelligt wurde, fand im Mai - Juni 2010 ein mehrtägiger Workshop zum Thema „Alles über Weintrauben“ statt. Dieser Workshop hatte nicht nur die Zielsetzung   mehr Kenntnisse über die Pflanzenwelt zu gewinnen, sondern hatte auch das Ziel  neue Mitglieder zu gewinnen, Freundschaften unter den Tilnehmern zu knüpfen, geändertes Sozialverhalten in der Gruppe zu fördern und zu lernen dieses auf sein eigenes soziales Verhalten positiv zu reflektieren. Am Anfang haben die TN ausführliche Information über Weintrauben bekommen, z.B. welche Inhaltsstoffe wirksam sind, welche Pflanzanteile verwendbar und wozu sie verwendet werden können, wie man daraus Traubensaft machen kann, ob die Blätter, Samen, Beeren essbar und als Saft oder getrocknet zubereitet werden können sowie Geschichten und Sagen über Weintrauben erzählt. Im Anschluss an die theoretischen Inhalte konnten die Teilnehmer ihr neu erworbenes Wissen kreativ beim Malen und auch praktisch beim Einpflanzen von Weintraubenstöcken in der Gartenanlage umsetzten und festigen. 

Im Zentrum stand die konstruktive Diskussion eingereichter Beiträge. Neben der Diskussion wurde auch ausreichend Zeit eingeräumt, damit die Teilnehmer in kleineren Gruppen Traubensaft verköstigen und dabei ihre Gedanken, Emotionen und Eindrücke austauschen können. Als Höhepunkt haben die Teilnehmer im Garten des Russisch-Deutschen Kulturzentrums Weintrauben gepflanzt (inkl. eine Photogalerie). Die Weintraubensetzlinge wurden aus verschiedenen Ländern in ziemlich schwachem Zustand geliefert, so dass sie in Kästen eingebracht und lange Zeit von den Kindern betreut und beobachtet wurden. In den Monaten Mai - Juni haben Kinder und Jugendliche gemeinsam mit den Betreuern und Eltern im Garten die Weinstöcke gepflanzt. Dazu wurden die laminierten Schilder mit den Fotos von Teilnehmern an jeden Setzling angehängt, die Kinder und Jugendliche selber gebastelt haben.

Workshopssprache war je nach Verteilung der Beiträge Deutsch und Russisch.

Als Haupterfolg des Projektes „Kinderwelt im Grünen“ können wir konstatieren, dass es ein sehr großes und reges Interesse bei den Kinder und Jugendlichen zur Natur und Pflanzenwelt geweckt hat und die am Projekt teilgenommenen Kinder und Jugendlichen den Garten auch nach dem Projekt nicht aus den Augen lassen. Sie setzten es fort, die selbstgepflanzten Kräuter, Pflanzen und besonders Weintrauben zu kontrollieren und den Eltern sowie Freunden nicht ohne Stolz zu zeigen und auch noch so kleine Fortschritte der Pflanzen beim Wachsen zu erläutern.

 

 


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