
Hätte man mir als Kind gesagt, wie mein Leben einmal aussehen würde, hätte ich es bestimmt nicht geglaubt.
Kiew. Die Sportschule für den olympischen Nachwuchs. Das Schwimmbecken. Und ein großer Traum – Schwimmmeisterin zu werden.
Und dann … eine 180-Grad-Wende.
Statt einer Sportkarriere – die Nationale Pädagogische Universität, Fakultät für Sonderpädagogik. Und ein neuer Beruf: Logopädin und Grundschullehrerin.
Ich habe mit einer Logopädiegruppe im Kindergarten angefangen. Aber mir wurde sehr schnell klar, dass mir das nicht ausreichte. Ich wollte mehr Kindern helfen. Und später auch Erwachsenen.
Die Mundpropaganda hat gewirkt – und ich wurde gleichzeitig in eine große Privatklinik und ein Kinderzentrum in Kiew eingeladen. So bekam ich gleich zwei Arbeitsplätze und widmete die folgenden mehr als 10 Jahre meines Lebens vollständig meinem Beruf.
In diesen 20 Jahren habe ich wohl alles gesehen, was mit Sprachstörungen bei Kindern und Erwachsenen zu tun hat. Es gab schwierige Fälle, kleine Erfolge, große Erfolge, Tränen, Lachen und genau diesen Moment, in dem ein Kind plötzlich ein Wort ausspricht, auf das man gemeinsam monatelang gewartet hat.
Und dann brach der Krieg aus.
Deutschland. Eine neue Sprache. Ein neues Land. Ein neues Leben.
Und ich dachte ehrlich gesagt, meine berufliche Laufbahn sei vorbei.
Aber das Leben hat anders entschieden. In Nürnberg habe ich meinen zukünftigen Ehemann kennengelernt und ganz unerwartet auch die Möglichkeit gefunden, meinen geliebten Beruf weiter auszuüben.
So arbeite ich nun wieder als Logopädin und helfe wieder Kindern